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Samira auf dem Mittwochsmarkt in Girne: Wo Nordzypern nach Feigen, Stoffen und Alltag riecht


Es gibt Orte, die einem ein Land nicht erklären. Sie zeigen es einfach.

Der Mittwochsmarkt in Girne ist so ein Ort. Wer aus Deutschland kommt, denkt vielleicht kurz an große Wochenmärkte wie den Isemarkt in Hamburg. Aber Girne hat eine andere Seele. Weniger schick, weniger inszeniert, dafür lebendiger, näher und türkischer im besten Sinn.



Am ehesten erinnert er an einen kleinen Markt in Istanbul, vielleicht an einen dieser geschäftigen Märkte auf der asiatischen Seite der Stadt. Little Istanbul in Girne. Aufgeräumt genug, um sich zurechtzufinden, eng genug, um mitten im Leben zu stehen.

Geschäftig. Zweckmäßig. Herzlich. Authentisch.


Samira war heute dort. Mittwoch, Marktzeit, Sommerhitze, volle Stände. Schon beim Ankommen merkt man, dass dieser Markt zum Einkaufen da ist, zum Schauen, Prüfen, Vergleichen, Finden. Obst, Gemüse, Kräuter, Kleidung, Hosen, Kleider, Taschen, Handtücher, Haushaltswaren. Alles steht da, liegt da, hängt da und wartet darauf, angefasst, gedreht, geprüft und mitgenommen zu werden.


Die Menschen wirken freundlich. Friedlich. Abwartend. Angenehm zurückhaltend.

Das ist vielleicht das Erste, was auffällt. Die Händlerinnen und Händler sind aufmerksam und bereit, aber sie lassen einem Luft. Wer schaut, darf schauen. Wer fragt, bekommt eine Antwort. Wer weitergeht, wird mit derselben Gelassenheit ziehen gelassen.

Und doch ist überall Bewegung.


Es wird geredet, gelacht, geprüft. Geld wird gezählt, Waren werden neu sortiert, die schönsten Früchte wieder nach oben gelegt. Tomaten, Pfirsiche, Trauben, Feigen, Gurken, Kräuterbündel. Alles wirkt ein bisschen wie ein kleines Theater des Alltags, in dem jeder weiß, was zu tun ist.


Die Preise stehen auf abgerissenen Pappkartonstücken. Mit schwarzem Edding geschrieben. Lira. Einfach. Schnell. Zweckmäßig. Genau das passt zu diesem Markt. Hier geht es um Ware, Preis, Frische, Gespräch, Vertrauen und ein bisschen um Gewohnheit. Viele scheinen sich zu kennen. Man nickt sich zu, bleibt kurz stehen, sagt ein paar Sätze, lacht, zieht weiter. Der Markt hat seine eigene Ordnung, auf eine sehr türkische, praktische und menschliche Weise.





Besonders schön sind die Lebensmittelstände. Sie sind voll, farbig und lebendig. Man sieht, dass die Ware immer wieder neu präsentiert wird. Wenn eine Kiste halb leer ist, werden die Früchte nach vorne geholt. Wenn etwas besonders schön aussieht, liegt es oben. Das ist keine Dekoration im gehobenen Sinn. Es ist die alte Kunst des Marktes: zeigen, was gut ist.


Samira bleibt auch bei den Kleidern und Hosen stehen.

Die Frauen an den Ständen helfen bereitwillig. Sie halten etwas hoch, ziehen einen Bügel heraus, zeigen eine Farbe, legen eine Hose über den Arm. Wenn man fragt, ob es Baumwolle ist, hilft ein kleines türkisches Wort: Pamuk?

Dann kommt oft ein Lächeln.

„Evet, güzel.“

Ja, schön.





Ob nun wirklich alles Baumwolle ist, darf man vielleicht mit der gleichen Milde betrachten, mit der man diesen Markt überhaupt betrachten sollte. Die Antwort gehört zum Verkaufsritual. Sie will nicht täuschen, sie will sagen: Schau, fühl, probier. Es ist schön. Und meistens ist es das auch.


Die Stimmung passt. Die Preise sind fair. Die Hilfe ist freundlich. Niemand macht daraus ein großes Drama. Man sucht, findet, verwirft, entscheidet. Und manchmal geht man mit etwas nach Hause, das man gar nicht geplant hatte.


Wenn es heiß wird, und es wird in Girne schnell heiß, gibt es kleine Auswege. Ein Eis. Ein kaltes Getränk. Ein Kaffee. Richtung Busbahnhof findet man Möglichkeiten, kurz aus dem Markttreiben herauszutreten. Zur Seite Richtung Polizeistation gibt es ebenfalls einen kleinen Ort zum Verweilen, ein bisschen im Schrebergarten-Stil: einfach, grün, improvisiert und liebenswert.



Das ist überhaupt ein Gefühl, das man in Nordzypern immer wieder findet. Man sitzt irgendwo, wo alles schlicht ist, aber jemand kommt freundlich vorbei, bringt etwas, lächelt, fragt, wartet nicht zu lange und nicht zu kurz. Und plötzlich ist alles gut. Die Herzlichkeit trägt den Ort.

Samira hat auf diesem Markt vor Jahren einmal eine Feige gekauft.

Eine kleine Pflanze.

Eine von diesen Pflanzen, die man sieht, mitnimmt, irgendwo einpflanzt und dann schaut, ob sie es schafft. Diese Feige hat es geschafft. Sie lebt immer noch. Und jedes Jahr im Herbst trägt sie die besten Früchte.




Vielleicht ist das der schönste Satz über diesen Markt.

Man kann dort Dinge kaufen, die bleiben. Taschen, Kleider, Tomaten und Kräuter vielleicht nur für eine Weile. Eine Feige für Jahre. Und manchmal nimmt man etwas mit, das Wurzeln schlägt. Im Garten. Im Alltag. In der Erinnerung.

Parken ist beim Mittwochsmarkt allerdings eine eigene kleine Übung in Geduld. Man kann unten am Eingang Glück haben oder oberhalb einen Platz finden. Manchmal wartet man einfach, bis jemand mit vielen Plastiktaschen zurückkommt, die Tür öffnet, alles verstaut und langsam herausfährt. Dann gehört einem für einen Moment dieser kleine Sieg des Alltags.



Es gibt auch Möglichkeiten in den Parallelstraßen. Was man nicht tun sollte: dort parken, wo es nicht erlaubt ist. Und ganz sicher nicht an der Polizeistation. Das wird nicht mit einem strengen Blick bestraft, sondern mit Abschleppen. Nordzypern ist freundlich, aber nicht in jeder Hinsicht nachsichtig.

Trotzdem lohnt sich der Markt immer.

Gerade weil er so echt ist.





Man sieht dort, wie Menschen einkaufen, handeln, warten, lachen, helfen und ihren Mittwoch leben. Man merkt, dass Nordzypern aus mehr besteht als aus Stränden, Politik, Immobilien, Hotels und Sonnenuntergängen. Es besteht auch aus Pappschildern, Eddingpreisen, Kräuterbündeln, Plastiktüten, Feigenpflanzen, freundlichen Frauen an Kleiderständen und diesem leisen Gefühl, dass ein Ort einem nah kommen kann, ohne sich groß herauszuputzen.

Vielleicht ist das überhaupt eine der schönsten Seiten von Nordzypern.

Es begegnet einem.

Und manchmal reicht genau das.


Alles Liebe

Samira und Marten



Praktische Hinweise

  • Der Mittwochsmarkt in Girne findet üblicherweise mittwochs vormittags bis in den frühen Nachmittag statt.

  • Früh kommen lohnt sich, besonders im Sommer.

  • Bargeld in türkischer Lira mitnehmen, am besten kleine Scheine.

  • Eigene Tasche oder Korb mitbringen.

  • Bei Lebensmitteln wird eher wenig gehandelt, bei Kleidung und Haushaltswaren kann man freundlich fragen.

  • Parken mit Geduld planen; Parallelstraßen sind oft entspannter.

  • Nicht unerlaubt parken, besonders nicht an oder bei der Polizeistation.

 
 
 

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